Das Begehen einer Straße ist nicht gleichbedeutend mit dem Erleben und der Wirkung derselben. Wenn man sich auf den Weg begibt, denkt man nur an das eigene Ziel und achtet nicht auf den vielfältigen Ruf der Orte: Fassade, Kreuzungen, Straßenecke, Straßeneinmündungen, aber auch Schaufenster alter Geschäfte und Details eines bekannten Gebäude. Viele Orte, an denen wir schnell ohne Unterbrechung vorbei gehen, haben unterschiedliche Geschichten der Menschen erfahren und enthalten verborgene Schätze. Das hier Gesagte kann man noch intensiver erleben, wenn man an die Karl-Marx-Straße denkt mit ihren vielfältigen und verschiedenen Aspekten, aber auch mit ihrer Motivation für eine aktuelle Revitalisierung. Damit man beim Laufen die Karl-Marx-Straße und ihre Umgebung neu interpretieren kann, wird an eine originelle und suggestive Open-Air Fotoausstellung gedacht, die das abschließende Ergebnis einer Aktion sein soll, an der zahlreiche Akteure und Benutzer der Karl-Marx-Straße teilnehmen werden. Menschen, die in der Karl-Marx-Straße tätig oder einfach Anwohner sind, werden zum Mitmachen aufgerufen; Händler, Eigentümer, Junge, Einwohner, Menschen mit Migrationshintergrund,… kommen alle in Frage!

Jeder von denen wird vor einer ausgesuchten Fassade, einer Ecke oder einer Mauer einfach aber technisch anspruchsvoll porträtiert. Das am Ort aufgebaute „Foto-Studio“ gibt die Möglichkeit, die Personen mit einem hyperrealistischem Effekt auf den letztendlichen Bilder aussehen zu lassen. Danach werden die Bilder auf speziellen Plakatfolien ausgedruckt. Schließlich werden die Orte, wo die Personen fotografiert wurden, ebenfalls Orte der Open-Air Fotoausstellung sein. Das endgültige Fotoergebnis ist überraschend: Das Fehlen einer sichtbaren und visuellen Unterbrechung zwischen der Mauer und den Plakaten und das hyperrealistische Aussehen des Subjekts ergibt einen „Reliefeffekt“. Das zunehmende Phänomen der „Paste-Up“ in Neukölln wird dann mit diesem Projekt neu interpretiert und wird aus der Streetartkultur ausgeborgt, um die Wände der Karl-Marx-Straße lebendiger zu machen.

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